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Es ist nur Physik

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11. Dezember 2018

So gerne ich meine Wochentage mit meinen Kollegen verbringe, so sehr liebe ich es, mit meiner Familie und meinen Kindern in der Natur zu sein oder mit meinen (anderen) Freunden Felsen zu erklimmen. Diese Stille und Reinheit, die man erlebt, wenn man vor einer Felswand steht, erstaunt mich jedes Mal aufs Neue. Ganz oben an einer Wand zu stehen, kann eine beängstigende Sache sein. Auch wenn man mit einem Seil gesichert ist, kann ein Sturz kritisch sein. Kein Wunder, dass Klettern sehr stark vom Vertrauen abhängt: Vertrauen in den Partner am anderen Ende des Seils, in das Seil, selbst, in die Bolzen, in die Legierung, aus der die Bolzen hergestellt sind, und vor allem in die eigenen Fähigkeiten. Wenn man jedoch die Welt mit den Augen eines Ingenieurs sieht (was ich zufällig bin), dann ist dieses Vertrauen nichts anderes als einfach nur Physik!

Ich erinnere mich sehr gut daran, als ich meinen Führerschein erhielt. Ich war 18 Jahre alt, und mit vollstem Vertrauen nahm ich mein Recht in Anspruch, mit dem Auto der Familie zu Freunden zu fahren. Es war Januar, es bestand also ein gewisses Risiko, dass die Straßen in der Nacht vereist sein könnten.

Erst jetzt kann ich verstehen, wie schwer das für meine Eltern gewesen sein muss (und ich hoffe aufrichtig, dass das autonome Fahren bald so weit sein wird, dass mir diese Art von Sorgen erspart bleibt). Damals schien es mir jedoch ziemlich einfach zu sein: "Mach dir keine Sorgen, Papa, ich muss nur den verringerten Bruchkoeffizienten berücksichtigen." Es war ja nur Physik!

Und auch wenn ich heute weiß (und ehrlich gesagt schon damals vermutete), dass die Welt nicht immer so einfach ist, ist das im Grunde immer noch meine Sichtweise der Technik: Wenn man alle Fakten kennt und berücksichtigt, ist alles möglich. Ich habe keine Angst, wenn ich in einem Zug sitze, der mit 300 km/h fährt, weil ich weiß, dass meine Ingenieurkollegen, die ihn gebaut haben, alle relevanten Fakten berücksichtigt haben. Und ich zögere auch nicht, nach einem 12 m langen Aufstieg, gehalten von einem 8-mm-Nylonseil, herunterzuspringen.

Diesen Geist bewahre ich mir als Ingenieur für drahtlose Kommunikation. In der Welt, in der ich aufgewachsen bin, war eine drahtlose Steuerung unmöglich, und die Sicherheit der drahtlosen Kommunikation war beängstigend. Um Menschen anderweitig zu überzeugen, braucht man Ausdauer und Vertrauen in das, was man tut - genau wie beim Klettern! Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es Zeiten geben wird, in denen wir der Drahtlostechnik vertrauen, wie wir jeder anderen hochmodernen Technologie vertrauen, weil wir unter Berücksichtigung aller Fakten wissen (und bereits gezeigt haben), dass dies möglich ist, denn raten Sie mal es ist schließlich nur Physik.

- Thomas